The metal wheel
This story is from 1998, so it was still written in German. Please feel free to contact me on story at kelle.de in case you want a translation, I will then get to it when I have time.
Das metallene Rad
Ein Mann arbeitete in einer großen Fabrik. Als er seinen Dienst dort angetreten hatte war seine Haut glatt und jung, doch nun, nach nur wenigen Jahren war sie bereits ausgedörrt und zerfurcht, so anstrengend war die Arbeit. Seine Aufgabe bestand darin, mehrere Räder mit einer Kurbel zu drehen. Er wusste nicht, warum oder wozu, er wusste nur, dass er es tat, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen.
Eines Tages trat ein Mann mit glatter Haut auf ihn zu, und sagte:
„Ich habe dich beobachtet. Du machst deine Arbeit gut. Ich werde dich für eine Beförderung vorschlagen.“
Der Arbeiter blickte auf, und nickte und lächelte. Dann, nach wenigen Tagen, kam der jüngere Mann mit glatter Haut wieder. „Komm. Du sollst nicht mehr so schwer arbeiten müssen. Du musst ab heute nur noch ein Rad drehen, und dafür bekommst du mehr Lohn.“
Der junge führte den Alten durch lange Korridore an hohen Maschinen mit dröhnendem Klang vorbei, und bei einer Maschine blieben sie stehen. An ihrer Seite schimmerte glänzend ein metallenes Rad.
Der Arbeiter blinzelte, und sah freudig das neue Rad an. Er machte sich sogleich emsig daran, das Rad zu drehen, und schon hatte er den jungen Mann vergessen, so wie er auch vergessen hatte, danke zu sagen. Der junge Mann zuckte die Achseln und ging fort.
Das Rad ließ sich erstaunlich leicht drehen, anders als er es von den bisherigen Rädern gewöhnt war, die sich zunächst nur schwer drehen ließen, und erst später leicht, wenn sich das Öl verteilt hatte.
Er polierte das Rad, und gab ihm vom besten Öl. Und das Rad drehte sich leicht und freudig. Mit der Weile brauchte er das Rad nur noch leicht anzustoßen, und es drehte sich lange zeit von selbst.
Vielleicht, dachte er, schaffe ich es, dass sich das Rad für immer dreht.
So polierte er und ölte das Rad weiter, bis es unglaublich leicht lief, und er sich darin spiegelte.
Doch je mehr er es polierte, desto genauer wurde sein Spiegelbild, und bei jedem Mal, wenn er das Rad antrieb, war er gezwungen zu sehen, wie alt und zerfurcht er doch war. Das machte ihn missmutig, und er wurde ein wenig böse auf das Rad, das die Dreistigkeit besaß, ihm zu zeigen, wie geschwächt er doch war.
So beschloss er, mit seinem Gedanken, das Rad sich für immer drehen zu lassen ernst zu machen, und er trieb es so schnell an wie nie zuvor, und als auch das nichts half, nahm er eine Stange zu hilfe, mit der er einen Besseren Hebel hatte. Als die Stange die metallene Seite des schnell rotierenden Rades berührte, stoben die Funken, und lange Kratzer entstanden auf der liebevoll polierten Oberfläche.
Nach einigen Wochen, in denen er verschiedenes ausprobiert hatte, war das Rad zerbeult und zerkratzt, und hatte an manchen Stellen Rost angesetzt. Es ließ sich trotz Öl nur noch schwer drehen, und mit jedem Tag wurde es schwerer, da das Öl nun auch noch zu verharzen begonnen hatte.
Irgendwann, als das Rad sich fast nicht mehr drehen wollte, schrie er es an, das nunmehr schäbige, verrostete Rad, er wolle es einschmelzen lassen. Dann trat er dagegen, und von da an drehte es sich keinen Millimeter mehr.
Er rief den jungen Mann her, an den er sich nun sehr gut erinnern konnte, und berichtete ihm mit bitterer Stimme von dem widerwilligen Rad. Der junge Mann rieb sich den Bart, und kauerte vor dem Rad nieder. Er sah die vielen Beulen und Kratzer, und nahm das Rad vorsichtig aus seiner Verankerung. Er sah den Arbeiter aus runden Augen an, und sagte: „Wir wollen sehen was sich machen lässt. Aber viel kann ich nicht versprechen“
Der Arbeiter sah sein Rad nie wieder. Er saß nun ohne Rad neben der Maschine und ärgerte sich über den jungen Mann.
Der junge Mann jedoch schabte den Rost ab von dem Rad, reinigte es gründlich, und dann drehte sich das Rad auch wieder, zuerst langsam, und dann schneller, so wie alle anderen Räder. Nur die Beulen blieben.